Interview

Interview

Interview geführt von Karsten Stumm, manager- magazin.de:

Frage: Herr Moeller, Sie sind einst in Recklinghausen zur Schule gegangen, vor fast 15 Jahren nach Hollywood übergesiedelt, jetzt aber kehren Sie ins Ruhrgebiet zurück - und besuchen wieder Schulen.
Wollen Sie einen Abschluss draufsatteln?

Moeller: Darum hätte ich mich kümmern müssen, wenn ich mich in den USA nicht durchgesetzt hätte.

Frage: Was treibt Sie also nach Duisburg, wenn Sie nicht Ihre Eltern besuchen, die mittlerweile dort wohnen?

Moeller: Ich will helfen. Etwas gegen die Perspektivlosigkeit tun, die dort vor allem Hauptschüler in einigen Brennpunkten gefangen hält. Den Frust der Jugendlichen bekämpfen, vergessen zu werden - und ohne Chance auf einen Arbeitsplatz schon am Anfang ihres Lebens zu den Außenseitern zu gehören. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten mit weniger guten Ausbildungen nimmt radikal zu, nur Uni- Absolventen sind davon kaum betroffen.

Frage: In Duisburg waren im vergangenen Monat fast 20 Prozent aller Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, unter den ausländischen Jugendlichen hatte sogar fast jeder Dritte keinen Job. Duisburgs Arbeitsagentur versucht derzeit, mit elf Programmen für zeitgleich 1510 Jugendliche etwas dagegen zu machen, mit wechselhaftem Erfolg. Jetzt aber, verzeihen Sie, fliegen Sie flugs mit der einen neuen Erfolgstherapie ein?

Moeller: Die Programme der Arbeitsagentur wirken meiner Meinung nach zum Teil nicht, weil die Beamten sie nur verwalten, nicht aber verkörpern. Das ist bei dem, was wir machen, anders. Da sagen die Kids: Der Ralf kommt. Der ist von hier, der Moeller ist einer von uns. Und der hat es mit seinem Programm bis nach oben geschafft. Das klappt also, deshalb versuchen wir das jetzt auch.

Frage: Sie haben einen Masterplan in der Hinterhand?

Moeller: Ja, körperliche Fitnessprogramme, die ich selbst mit den Jugendlichen durchziehe. Vor allem aber bieten wir die Aussicht auf Praktikumsplätze, und mit beidem gehen wir dann in die Schulen. Firmen wie ThyssenKrupp, Grillo-Werke, Sinalco oder auch der Türkische Unternehmerverband sorgen mit uns für Perspektiven.

Frage: Befürchten Sie nicht, dass die neuen Perspektiven mit dem Ende der Praktika enden?

Moeller: Klar wird was verpuffen. Aber, hey guy, warum so negativ? In der Praktikumszeit lernen die Mädchen und Jungs auf jeden Fall etwas, was sie nach deren Ende nicht vergessen haben werden. Nämlich, dass man die Sprache des Landes, in dem man lebt, beherrschen muss, um einen Job zu bekommen. Und um in dem dann auch verstanden zu werden.

Frage: Sie selbst sind vor Jahren ohne ausgewiesene Englischkenntnisse nach Amerika gegangen...

Moeller: ...und habe das in meinem neuen Land als Erstes nachgeholt. Wenn die Kids das jetzt hören, motiviert sie das, Deutsch zu lernen.

Frage: Sie sind im Traumland Amerika zum Schauspielstar geworden. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Glamour-Beruf für besondere Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen sorgt?

Moeller: Absolut, ja, das bemerke ich bei jedem Schulbesuch. Weil ich Schauspieler bin, führen mir 14- und 15-jährige Mädchen dann in selbst geschriebenen Theaterstücken vor, was sie bewegt: Moslems, die wie sie von anderen unterdrückt werden. Oder wie den Girls das Handy geklaut worden ist. I mean, da steckt was dahinter.

Frage: Die Schulen, zu denen Sie gehen, haben Sie aber auch bewusst ausgesucht, oder?

Moeller: Da haben Sie recht. Aber nicht, weil die Schüler da als besonders motiviert gelten. Im Gegenteil, wir kümmern uns um das, was Beamte soziale Brennpunkte nennen. Jeder andere sagt Slums dazu. Schulen wie die Herbert-Grillo-Gesamtschule in Duisburg-Marxloh, wo unser Projekt gestartet ist. Da stellen ausländische Jugendliche aus 20 Nationen 80 Prozent der 620 Schüler. Deutsch wird da nicht gesprochen, das kannst Du mir glauben. Weil das ja da auch keiner vernünftig kann.

Frage: Sie nehmen mir die Frage hoffentlich nicht übel, ob Ihr Praktikaengagement nicht doch einem Schulausflug ins Leben gleicht, mit Rückkehrzwang inklusive?

Moeller: Wir versuchen, solche Rückschläge zu verhindern, indem wir feste Termine setzen. Nach jeweils einem Jahr komme ich wieder zurück an diese Schule, um zu sehen, wie die Jugendlichen in der Zwischenzeit vorangekommen sind. So werde ich es auch mit allen anderen Schulen halten, die jetzt Schritt für Schritt in das Programm aufgenommen werden.

Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Moeller: Ich bin von der Familienministerin Ursula von der Leyen angesprochen worden und habe ihr Programm dann erweitert. Ein ganz klein wenig nach dem Vorbild, was Arnold Schwarzenegger in Amerika seit 14 Jahren macht: selbst anpacken. Wissen Sie, was der Unterschied zwischen den USA und Deutschland ist?

Frage: Sie werden es mir jetzt verraten.

Moeller: Drüben werden ein paar Stars zu einer Veranstaltung eingeladen. Wer mit denen an einem Tisch sitzen und reden möchte, zahlt dafür 500 Dollar oder so. Die werden dann für einen guten Zweck gespendet. In Deutschland warten wir erstmal damit, einen Missstand zu bekämpfen, bis irgendein Sozialprogramm des Staates dagegen aufgelegt und gescheitert ist. Ich will schneller handeln.

Frage: Sie sind mit Arnold Schwarzenegger gut befreundet, unternehmen zum Beispiel regelmäßig lange Motorradtouren. Besteht die Chance, dass Sie Schwarzenegger mit an deutsche Schulen locken können?

Moeller: So weit würde ich nicht gehen, er ist schließlich der absolute Superstar. Erst als Sportler; er war beispielsweise Mister Universum. Dann als Kinoheld; wir sprechen da von Hollywood, you know? Und dann als Politiker: Arnie ist Gouverneur von Kalifornien geworden! Aber ich habe Ersatz für ihn.

Frage: Wen denn?

Moeller: Rolf Milser etwa, in Los Angeles Olympiasieger für Deutschland im Gewichtheben. Der hat jetzt ein tolles Hotel in Duisburg, in dem zum Beispiel die italienische Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft wohnte - er hat schon Schüler aus Brennpunkten eingestellt. Ursula von der Leyen ist natürlich auch dabei, die Bundesfamilienministerin. Und vielleicht kommt ja Kanzlerin Angela Merkel mal mit zu einer der Schulen.